Elena Kotikova
& Nikolai Muck

Die Zwei, die verbinden

Praunheim | Zuhause finden mit Kunst und Kultur

Fotos: Günther Dächert | Text: Alexandra Flieth

»Terz« ist ein Begriff aus der Musik, aber auch ein Synonym für »Krawall«. Eine ungewöhnliche Kombination. Terz heißt auch die Katze von Elena, der Künstlerin, und ihrem Mann, dem Musiker Nikolai, die es sich im Körbchen auf dem Tisch gemütlich macht. Das Künstlerpaar hat die Samtpfote vor rund einem Jahrzehnt adoptiert und kurz danach mitgebracht nach Praunheim. Dort leben die drei, ergänzt um die mittlerweile noch hinzugeborene kleine Tochter, in einer von zwei geförderten Atelierwohnungen auf dem früheren Gelände der Praunheimer Werkstätten direkt an der Nidda. Auch das ist eine ungewöhnliche Konstellation. Ein Großteil des Gebäudes ist ein Übergangswohnheim für geflüchtete Menschen. Elena und Nikolai organisieren gemeinsam mit dem Ehepaar der zweiten Atelierwohnung, der Sängerin Pariya Dharmajiva und dem Musiker Leon Lissner, kreative Aktionen, die sie dann mit den Bewohner*innen des Übergangswohnheims umsetzen. Kunst, Musik und Kreativität sowie soziales Engagement sollen einen Beitrag leisten, dass diese Menschen ankommen können. So wie die beiden mit Kind und Katze.

Seit ihrem Einzug sind neun Jahre vergangen. Früher hatten sie auch ihre Arbeitsräume direkt in der Wohnung. Das hat sich geändert, denn Elena und Nikolai haben mit Pariya und Leon die Kunst- und Musikwerkstatt (KUMU) Praunheim gegründet und damit ihren (Haupt-) Arbeitsort ein paar Straßen weiter verlegt. »Unsere Situation hat sich auch mit der Geburt unserer Tochter verändert und wir brauchten Platz fürs Kinderzimmer«, sagt Nikolai Muck. Die neuen Räume geben jetzt überhaupt mehr Platz. Muck hat seinen Musikraum. Gitarren zieren die Wände: ganz klassische Konzertgitarren, aber auch E-Gitarren in Schwarz und Ukulelen. Er arbeitet oft mit anderen Musikern oder Künstlern zusammen. Etwa mit Klaus Schneider, der in diesem Band ebenfalls porträtiert ist und für den er Haiku-Gedichte vertont hat. Er begleitet aber auch Sängerinnen und Sänger bei ihren Liedern oder komponiert experimentelle Jazz-Musik. Sein Schwerpunkt liege aber derzeit auf Gitarrenunterricht und Workshops.

Gleich nebenan ist das Atelier seiner Frau Elena Kotikova. Einige ihrer grafischen Arbeiten liegen auf einem Tisch. Sie bereitet gerade eine Ausstellung vor. Zahlreiche Bücher in der KUMU, die in den Regalen aufgestellt stehen, zeugen davon, dass die Kunst auch an diesem Ort zu Hause ist. »Wir setzen auch weiter unsere kreativen Angebote im Übergangswohnheim um, bringen die Kinder und Jugendlichen von dort aber nun auch in den Stadtteil hinein. Hierhin etwa, wo Elena Malworkshops im Freien anbietet oder die Kinder einfach so zu uns in die Kunst- und Musikwerkstatt kommen«, erzählt Muck. Die Arbeiten gehen ineinander über. Gerade erst hat er mit einer Gruppe die Vertonung eines von ihnen gestalteten Stop-Motion-Films abgeschlossen. Wichtig sei ihnen, über die Workshops Menschen des Übergangwohnheims auch mit Bewohner*innen des Stadtteils zusammenzubringen. Das ermögliche ein gegenseitiges Kennenlernen und trage mit zur Integration bei. Kreatives Arbeiten überwinde darüber hinaus Sprachbarrieren. Das wissen beide aus eigener Erfahrung: Muck und seine Frau, die nach ihrem Master für Kulturwissenschaften in Russland 2011 nach Frankfurt kam, in der Mainmetropole Kunstpädagogik und Kunstgeschichte studierte.

Auch Elena und Nikolai sind längst in Praunheim »zu Hause«. Sie fühlten sich wohl und suchten zudem stets privat und in ihrer Arbeit die Verbindung zum Stadtteil. Quasi verinnerlichen sie damit das Konzept der Werkstätten, das durch die Vereine Basis Frankfurt und KunstWerk Praunheim entwickelt wurde. Hier sollen Künstler*innen gefördert werden, die sich dafür entscheiden, mit geflüchteten Menschen zusammen zu leben und zu arbeiten. Elena Kotikova-Muck beschreibt ihr Zuhause in Praunheim mit den Worten »mitten im Leben«. Schon mit den ersten Veranstaltungen, welche die Künstler*innen im Übergangswohnheim umsetzten, habe es so viele Impulse gegeben von den Menschen, die dort leb(t)en. Kunst und Musik, sagt sie, ermögliche sich auszudrücken und Sprachbarrieren zu überwinden. Auch im eigenen Stadtteil sind die beiden angekommen. So beteiligten sie sich am Zehntscheunenfest oder dem Adventsmarkt und überlegten sich hierfür immer auch Aktionen zum Mitmachen wie eine Karaoke mit Live-Band oder Kunstworkshops. Einen Ort zu finden, an dem man sich wohlfühlt, sei auch das, was die Menschen im Übergangswohnheim suchen. Mit ihren Kunst- und Musikprojekten trägt das Paar dazu bei … (_us).

Elena Kotikova
& Nikolai Muck

Frankfurt-Praunheim

Genre:

Bildende Künstlerin & Musiker

Aktuelles:

Nikolai Muck (Link)

Elena Kotikova (Link)

Lebenslauf

Elena Kotikova-Muck

· 1988 geboren in Nowosybkow · Russland

· 2011 schloss sie ihr Studium der Kulturwissenschaften in Nischni Nowgorod mit dem Master ab.
Anschließend studierte sie an der Goethe-Universität Frankfurt Kunstgeschichte und Kunstpädagogik, mit einem Schwerpunkt in Druckgrafik, und beendete dieses Studium 2020 erfolgreich.

· Elena Kotikova-Muck ist bildende Künstlerin und Kunstpädagogin.

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Nikolai Muck

· Geboren 1984.

· Studium Jazzgitarre an der Frankfurter Musikwerkstatt (FMW) sowie an der Future Music School in Aschaffenburg. Zu seinen Lehrern gehörten unter
anderem Thomas Langer und Daniel Guggenheimer.

· Seit 2004 als professioneller Musiker tätig. 2016 Mitbegründer des Frankfurter Jazzensembles Ensemble Entropie

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Gemeinsame Projekte

· 2017 Auf dem Roten Faden – Videoarbeit gemeinsam mit Magdalena Savvidou

· 2018 Part of – interaktives Kunst- und Musikprojekt mit Jakob Sturm, Leon Lissner und Pariya Dharmajiva

· 2025 Mitbegründer der Praunheimer Kunst- und Musikwerkstatt, die sich der Verbindung und Förderung künstlerischer und musikalischer Arbeit widmet.

Projekte und Ausstellungen

Elena Kotikova-Muck

· Elena Kotikova-Muck ist bildende Künstlerin und Kunstpädagogin.

· Seit 2016 ist sie als Kunstpädagogin tätig. In diesem Rahmen wirkte sie an der Konzeption und Durchführung ausstellungsbegleitender Programme sowie an Kunstworkshops für Kinder und Erwachsene in Museen mit.

· Seit 2017 leitet sie zudem ein eigenes Atelier, in dem sie künstlerische Bildungsprojekte für unterschiedliche Altersgruppen realisiert. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit als Druckgrafikerin stehen die Themen Herkunft und Spurensuche

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Nikolai Muck

· Seit 2004 als professioneller Musiker tätig. In einer langjährigen Konzert- und Tourneetätigkeit arbeitete er unter anderem mit dem Klezmer-Violinisten Yale Strom, dem Voicestra-Sänger Joey Blake sowie dem zazaischen Musiker ZeleMele zusammen.

· In den vergangenen Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens zunehmend auf experimentelle und frei improvisierte Musik. Dabei verbindet Muck musikalische Improvisation mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen und entwickelt interdisziplinäre Projekte, unter anderem im Bereich der Vertonung bildender Kunst sowie der Gruppenimprovisation auf der Grundlage grafischer Notationen.

· Diskografie: Fiery Dances Of Dying – Morok (2013), Camera Obscura – Nikolai Muck (2015), Petit cycle cévenol – Christian Alix (2016), Tam Uror – Ensemble Entropie (2019), Wenn sehen ein Tasten wäre – Wort Bild Klang (2021), La maison à ciel ouvert – Christian Alix (2024), Rai Kit – Ensemble Entropie (2024)

· Weitere interdisziplinäre Zusammenarbeiten: Linie 14 – Videoarbeit mit Heiko Arendt (2016), Bilder ohne Abbild – Vertonung bildender Kunst mit Horst Mensinger (2017), Go West! – Videoarbeit mit Klaus Hagmeier (2018), Isolation – Tanzvertonung mit Masha Lutoshkina (2021)

Werke: (Klicken zum Vergrößern)