Michael
Apitz

Der Seele Suchende

Hausen v.d.H. | Ein Maler in der Landschaft

Fotos: Michael Leukel | Text: Volker Stahr

»Der Künstler? Der wohnt da hinten …«. Da hinten? Irgendwie könnte man es kaum besser beschreiben. Zugegeben: Das »Dahinten« ist eigentlich mittendrin in dem kleinen Ort, direkt hinter der Bushaltestelle an der Hauptstraße. Das »Dahinten« aber war schon so ein Gefühl auf dem Weg dorthinauf, als der Bus irgendwo hinter Wiesbaden seinen Weg durch viel Wald, einige Felder, kleine enge Ortschaften suchte. Hinauf auf rund 480 Meter Höhe über dem hier zwar nicht sichtbaren, aber immer irgendwie präsenten Rhein. Hausen vor der Höhe liegt fast auf der Grenzlinie von Rheingau und (Unter-) Taunus, zwischen viel Feld und noch mehr Wald. So wie das kleine Fachwerkhäuschen mittendrin liegt in Hausen. Dass es denkmalgeschützt ist, sieht man ihm fast an, erfährt es spätestens bei dem Hinweis auf die Förderung zur Sanierung am Zaun. Der kleine Hof davor ist mit Idylle unterqualifiziert: viel Grün, Kopfsteinpflaster, Bänkchen, Brunnen, eine Laube. Neben dem Wohnhaus die große Scheune mit einem Nebenbau, zwei kleine Räumchen öffnen sich zum Hof. Der Blick hinein: wie zwei Wimmelbilder. Eine langgezogene Malwerkstatt: Leinwände, Farben, alte Möbel, eine kleine Musikanlage, Weinflaschen mit ungewöhnlichen Etiketten, ein kleiner Hundekorb. Der andere Raum: Stifte, nochmals Farben, Papiere, Gedrucktes, ein einziges Sammelsurium. Die Zeichenstube. Und hinter dem Haus beginnen schon nach wenigen Metern die Felder.

Seit Jahrzehnten schon lebt Michael Apitz hier mit Frau Simone und dem Hund (aktuell hört er auf den Namen Potter), saniert das Haus, zuletzt mit Solarpanels auf dem Scheunendach. Und betätigt sich zugleich mit einer Art künstlerischer Seelenforschung. Der Rheingau, das Mittelrheintal, der Taunus – hier in dieser Landschaft ist er geboren, hier findet er seine Motive. Angefangen hatte es einst mit dem Zeichnen, das er schon während seines Studiums als Grafiker nebenher betrieb (wobei er eigentlich sogar schon in der Schule mit Karikaturen auffiel). »Karl, der Spätlesereiter« entstand damals als der Rheingau-Comic schlechthin. Gemeinsam erfunden mit einem Kumpel, der heute Bürgermeister im nahen Eltville ist. Zwölf Bände – wenn man so will »Der Asterix des Rheingaus« – sind damals gezeichnet und geschrieben worden, mit vielen historischen Reminiszenzen und einigen Ausflügen bis Frankfurt, wohin in der Geschichte der damalige Stadtrat Goethe den Rheingau-Wein zur Krönung holte; wenn auch in dieser Geschichte wohl mehrheitlich eher für sich als für die Krönungsgäste. Wer den Rheingau und dessen Hinterlande bis Frankfurt verstehen will, mag hier zwölf Fachbücher finden. Die Klause, in welcher diese und auch spätere Comics zur (Frankfurter) Eintracht entstanden, ist das eine der beiden Wimmelbild-Räumchen.

In dem anderen Raum entsteht die »große Kunst«, für die Apitz heute ebenfalls über Rheingau und Untertaunus hinaus bekannt ist. Landschaften, vor allem inspiriert von den Tälern, Feldern und Hügeln rund um den Ort und bis weit hinein ins Mittelrheintal und den Taunus. In Schichten entstehen die Bilder, der Nukleus irgendwo in den Tälern und Hügeln der Region. Manchmal, wie bei einer Skyline, erkennt man auch die nahe Metropole am Main. »Maler von Landschaften« findet er eine treffliche Umschreibung. Besser auf jeden Fall als »Landschaftsmaler«. Da passt ins Bild, dass sich schon seine Diplomarbeit als Grafiker damit beschäftigte, den Farben von Weinsorten nachzuspüren, herauszufinden, welche Farbe zu welcher Rebe, welchem Geschmack passe. »Menschenlandschaften« könnte man hingegen das nennen, dem er ebenfalls seit einigen Jahren mit Inbrunst nachspürt. Getragen von einem Faible für Musik, porträtiert er auf ganz eigene Art Komponisten, versucht, in den Porträts die Musik fast zu ergründen. So wie anderswo die Seele der Landschaften. »Chromofonien« nennt er die Reihe. Sein Wagner hat ihn gerade bis Bayreuth getragen, zu einer Jubiläumsausstellung mit zwei anderen dort ansässigen Künstlern. Seine Landschaften hängen in der Region, auch im Landtag, in Landratsämtern oder Sparkassen, die sich mit »einem Apitz« schmücken. Auf Empfehlung von Bundestagsabgeordneten kam er auch bereits in die Sammlung des Bundestages. Neue Motive sind nicht schwer zu finden für ihn. Seine Hunde sorgten schon immer dafür, dass er mindestens einmal am Tag mitten in die Landschaft(en) eintauchen konnte. Und jeder ausgedehnte Besuch bei ihm im 750-Seelen-Ort inkludiert den Streifzug durchs Feld.

Einen armen Poeten unterm Fachwerkdach mag man Apitz sicher nicht nennen. Sie verkauft sich gut, jene Kunst nahe an den Menschen, seien es jene des Rheingaus oder auch jene bei der Eintracht. Auftragsarbeiten sind einige dabei. Er verdient, das sagt er selbst, ganz gut damit. Sicher auch, weil er so nahe am Menschen ist, von Karl über die Landschaften bis Wagner. Entwürfe für Motivwagen der Fastnacht sind übrigens auch in seinem Repertoire. Gut vernetzt ist er in seiner Region obendrein. Und umtriebig. Dass er als Künstler geliebt werden wolle, räumt er auch unumwunden ein. Das eine dürfte das andere bedingen. Das Dahinten, wo er nach dem Dahinter nachspürt, dürfte ebenfalls seinen Teil beigetragen haben. Ein »Der Künstler« zu sein gibt einem ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht nur bei einigen Einwohnern von Hausen (_us.).

Michael
Apitz

Hausen vor der Höhe

Genre:

Maler & Zeichner

Website:

Lebenslauf

· 1965 geboren in Eltville / Rheingau

· Designstudium in Wiesbaden
Abschluss als Diplom-Designer

· Selbständig tätig als Grafiker
und künstlerisch als Maler, Grafiker
und (Comic-) Zeichner

· Apitz lebt und arbeitet in Hausen v.d.H. (Rheingau-Taunus-Kreis) und hat dort auch sein Atelier.

Projekte und Ausstellungen

· Apitz begann seine Karriere als Comiczeichner.
Bereits während des Studiums entstand Karl, der Spätlesereiter. Rund um diese Wein-Comic-Figur entstanden zwischen 1988 und 2004 zwölf Comicbände, die auch überregional Beachtung fanden.

· Im Laufe der Jahre und auch danach entstanden zahlreiche weitere Publikationen und Auftragsarbeiten als Karikaturist und Comiczeichner. Seit 2007 zeichnet er auch Comic-Geschichten rund um seinen Herzens-Verein Eintracht Frankfurt.

· Parallel zu den Comic-Arbeiten entstehen seit 1999 Arbeiten aus dem Bereich der freien Malerei.
Im Fokus stehen Landschaften, insbesondere rund um Rhein, Rheingau und das Mittelrheintal.
So entstand der Zyklus »Rheinreise« und das monumentale »Welterbe-Wein-Triptychon« (2006).

· Doch auch andere Themen beschäftigen Apitz.
2009 präsentiert er das Gemälde »9. November« zu 20 Jahre Mauerfall, das dauerhaft im Hessischen Landtag ausgestellt ist.
2015 schuf er gemeinsam mit der Grafikerin Jutta Hofmann die Gemälde-Skulptur »Eltvil1465«, eine Hommage an Johannes Gutenberg.
2017 entsteht das Gemälde »Luther95«, ein monumentales Portrait des Reformators Martin Luther.
2018 präsentiert er erstmals seine »Chromofonie“, eine Reihe von Porträts berühmter Komponisten.

· Ausgewählte Ausstellungen der letzten Jahre:
2025 Waldstücke, Stadtgalerie Bad Soden
2024 Natürlich, Rathaus Wiesbaden
2023 Rhein trifft Rhön, Kunststation Kleinsassen
2023 Chromofonie, Kloster Eberbach
2023 Landschaften, Burg Kronberg

Werke: (Klicken zum Vergrößern)